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Gesundheit und Radeln zur Arbeit



Auf dieser Seite werde ich ausschließlich meine, Gerhard Brenners, Erfahrungen weitergeben - und natürlich auch die Erfahrungen meines Umfeldes, soweit sie mit dem Radeln in Zusammenhang gebracht werden können. Es soll sich deshalb bitte keiner anmaßen, mich hier rechtlich angehen zu wollen. Das sind persönliche Erfahrungen, die bei mir funktionieren und funktionierten.

Eine generelle Erfahrung, die für Sport allgemein gilt:

Wenn du feststellst, daß du unleidlich bist, daß ein Teufele in dir tobt (oder eine ganzer Herde von Teufeln) - dann powere dich kurz mal aus, renne 50m schnell oder quäle dich im großen Gang ==> und du wirst merken, daß das Teufele geflüchtet ist und sich ein Gefühl totaler Zufriedenheit und Ausgeglichenheit deiner bemächtigt hat. Probier's! Hilft nicht nur bei Zorn, hilft auch bei Traurigkeit (auch bei Mobbing).

Was ist am Radeln so schön?

  • Naturgenuß, bzw. Umweltgenuß....Sie haben das richtige Tempo, schnell genug, um ordentlich voranzukommen, langsam genug, um noch sicher unterwegs zu sein. Mit keinem anderen Verkehrsmittel können Sie eine fremde Umgebung so schnell und gründlich erkunden - Sie sind auch gleich mittendrin, weil Sie kein Wesen sind, das tonnenschwer und hinter Blech und Glas verschanzt, als Fremdkörper durch die Landschaft pflügt. Wir (meine Frau und ich) haben Berlin mit den Rädern erkundet, streßfrei und einfach bombastisch!
     


  • Käme man hierher ohne Rad?......ja, zu Fuß - in der 4-fachen Zeit 
  • eine der gelenkschonendsten Sportarten, betreibbar bis ins hohe Alter
    Es ist eine Ganzkörpersportart, die im Freien betrieben wird (werden sollte) - und kein anderer Sport geht so weich und rund mit Ihren Gelenken um. Ihre sonstige Beanspruchung (Herz, Lunge, Muskulatur) steuern Sie, mit oder ohne technische Hilfsmittel. "Nach oben" können Sie auch mit einem Pedelec begrenzen.
  • Einzel- oder Gruppensportart
    Auch das steuern Sie. Selbst wenn Sie alleine unterwegs sind, ergibt sich mit anderen Radlern oft ganz schnell ein netter Plausch.
  • weg vom Alltagsstreß
    Muß ich erwähnen, wie es auf den Straßen zugeht? Mit dem Fahrrad entgehen Sie diesem Kriegsschauplatz. Und es gibt Ihnen die Möglichkeit, wieder zu sich selbst zu finden, Ihren Streß körperlich zu verarbeiten, Ihre Gedanken zu Ende zu denken - einfach ausgeglichen abzusteigen.
    Deshalb ist auch die schönste Art, zu vergessen, daß man am Schreibtisch arbeitet.

Bei all dem Schönen vergessen Sie aber bitte eines nicht: Helm auf den Kopf. Ohne dieses nützliche, nicht spürbare Utensiv auf dem Kopf kann, analog der Überschrift, ganz schnell Ihr Leben radikal verändert (oder gar beendet) werden. Und bitte demonstrieren Sie durch nicht-Helmtragen Ihren Kindern nicht, daß, wenn sie groß sind, ihr Leben nicht mehr schützenswert ist.

Kurze Vorgeschichte bezüglich "Gesundheit in Zusammenhang mit Radeln zur Arbeit"
Ich fuhr von 1980 - 1990 mit dem Motorroller (Vespa) zur Arbeit von Korb nach Stuttgart-Untertürkheim (18 Straßenkilometer). 1990, mit 40 Lebensjahren, erlitt ich einen massiven Bandscheibenvorfall - das kam über mich wie der "Blitz aus heiterem Himmel".
Alle Ärzte bis auf einen rieten mir zur Operation. Der eine, auf den ich hörte, riet mir, meine vernachlässigte Rückenmuskulatur wieder aufzubauen und diese dann "für den Rest meines Lebens" in gutem Zustand zu halten. Mit Expander und entsprechenden Bodenübungen betrieb ich diese "Aufbauarbeit", stets unter dem Aspekt, ob es die Rückenmuskulatur (auch Bauchmuskulatur) beansprucht - und stets nur bis an die Schmerzgrenze. Ich sah dann auch bald "Licht am Ende des Tunnels" für mich und traute mich wieder aufs Fahrrad. Das allerdings funktionierte nicht ohne Umbau desselben, meine sportlich gestreckte Sitzposition konnte ich nicht mehr einnehmen (Schmerz). Also baute ich mein Fahrrad vorne grade mal so hoch, wie ich es brauchte, um ohne Schmerz fahren zu können - und begann meine neue Phase "Mit dem Fahrrad zur Arbeit".

Spontanerfahrungen:

  • War das schön, nicht mehr mit den Autos mitfahren zu müssen, sondern auf für diese gesperrte Wege ausweichen zu dürfen. Die Abgasbelastung war eine viel kleinere und die große Gefahr auf öffentlichen Straßen für den Zweiradfahrer war deutlich geschrumpft.
  • Morgens am Arbeitsplatz: topfit, voll da, kreativ. Im Gegensatz zu davor: "Jetzt erst mal einen Kaffee" und dann so langsam und tranig sich an die Arbeit machen.
  • Abends beim Heimkommen. Meine Frau: "Du kommst ganz anders, einfach ausgeglichen, heim". All das Negative, was einem den Tag über passiert war, hat man einfach körperlich verarbeitet (meine Worte: "ins Tretlager reingetreten"), bringt es damit nicht mehr heim und belastet damit nicht Frau, Familie, Freundeskreis.
  • Fitness und körperliche Widerstandsfähigkeit stiegen enorm. Erkältungskrankheiten kannte ich nur noch von den Kollegen. Insbesondere die Regelmäßigkeit, das tägliche "Training" veranlasst Ihren Körper zum Muskelaufbau, und schraubt natürlich auch Ihre Belastungsgrenze massiv nach oben. Meine Worte: "Ich kann aus dem Stand raus (ohne spezielles Zusatztraining) eine Alpenüberquerung angehen".
    Das stellt sich auch ein, wenn Sie mit Elektrounterstützung fahren. Entscheidend ist die Bewegung im Freien bei jedem Wetter.
  • Mobbing-Resistenz wird aufgebaut. Das aber bitte nicht als Allheilmittel verstehen. Man erträgt solche Attacken wesentlich ungerührter und auch länger -  wenn Sie aber eine bestimmte Intensität übersteigen, hauen Sie eben doch "auch den stärksten Mann um".
  • Was der ADFC zu diesem Thema noch zusätzlich herausgefunden hat, lesen Sie hier .
  • Und hier für E-Biker noch der Beitrag eines Sportmediziners der Sporthochschule Köln, der mit vielen Vorurteilen gegen E-Biker aufräumt

Und gleich noch einer

ebiken nichts für Weicheier

ebiken für die Fitness

Radeln zur Arbeit, wie gehe ich das an?

Wenn man dieses Thema angeht, gilt es vorab in der Firma etwas zu organisieren:

  • Sie brauchen einen Platz in der Firma, wo Sie Ihre verschwitzte Radkleidung so aufhängen können, daß sie nach der Arbeit trocken ist. Tip: Umkleideräume, Heizraum, Lagerräume - hier den Hausmeister ansprechen oder die Leute, die das Gebäude kennen.
  • Sie sollten sich einen Spint organisieren, worin Sie Waschzeug und Wechselwäsche deponieren. Ich gehe davon aus, daß Sie nicht in Radl-Kleidung arbeiten können und wollen. D.h., Sie deponieren einige Hosen und Jackets in der Firma, Hemden + Krawatten + Unterwäsche bringen Sie täglich (oder 2-täglich) mit (s.u. Möglichkeiten des Kleidertransports).
  • Sie müssen sich irgendwo waschen. Im einfachsten Fall geht das mit Waschlappen auf dem WC, im elegantesten Fall gibt es Duschen.

So, wenn wir das auf der Reihe haben, geht es jetzt zur persönlichen Ausrüstung:

  • Fahrrad
    Ich gehe jetzt davon aus, daß Sie jeden Tag bei jedem Wetter fahren wollen (das empfehle ich, um nicht der traurigen Gattung der "Schönwetterradler" oder noch schlimmer "Wetterberichtsradler" anzugehören. Die finden nämlich, primär aus dem Wetterbericht, immer einen Grund, warum "es heute nicht ging"). Sie haben sich für dieses "Jungbrunnen-Programm" entschieden, also ziehen Sie's durch. Sie werden Ihren Kopf beim Radeln hochkreativ erleben und brauchen ihn nicht täglich mit der Frage zu beschäftigen "fahre ich heute oder fahre ich nicht".
    • Komponenten-Ausrüstung
      Ihr Fahrrad braucht deshalb wetterfeste Komponenten, und die haben Sie (in Shimano gesprochen) ab Deore aufwärts bis XT (nicht XTR!). Und es reicht nicht, wenn das nur hinten auf dem Schaltwerk steht. Kein Komponentenmix, durchgehend diese Ausstattung bitte - Sie werden durch geringe Wartungskosten belohnt.
    • Fahrradtyp:
      wenn Sie täglich damit unterwegs sind, ist ein Rennrad die schlechteste Wahl. Unsicherer geht es nimmer. Sie haben maximalen Luftdruck in den schmalen Reifen, damit geringen Seitenhalt und längste Bremswege. Abgeschwächt gilt das auch für Trekking- und Crossräder. Die 28"-Laufräder schreien auch wesentlich öfter nach Nachzentrieren als das 26"-Laufräder tun. Kurzum, Sie sind am besten bedient mit einem 26"-Reiserad mit fetter Straßenbereifung, was man jederzeit aus einem Mountainbike konfigurieren kann. Keine Vollfederung, Hardtail ist angesagt. Zu Fahrradtyp und Rahmenmaterial siehe auch
      hier, zum konkreten individuellen Zusammenstellen siehe Custommade. Und wenn jetzt wegen der Reifen wieder der Aufschrei mit dem Rollwiderstand kommt, dann lesen Sie bitte mal nach bei Schwalbe oder Velotraum, auf welchem längst überholten Wissensstand das fußt. Ich selbst habe die besten Erfahrungen mit BigApple Liteskin in 55er- oder 60er-Breite.
      Und noch ein Tip: Bauen Sie gleich Schutzbleche an, irgendwann später kommt diese Erkenntnis sowieso.
       
    • Beleuchtung: Dynamos (Seitenläufer) sind überholt und bei Ekel-Wetter auch meist ungeeignet. Angesagt sind Nabendynamos oder Batterielichter. Beim Licht selbst gilt: Sie wollen nicht nur selbst gut sehen, sondern Sie sollten auch gut gesehen werden (auch von der Seite). Auch hier: Halogen ist out, angesagt ist LED-Licht. Technologisch am weitesten sind m.E. Busch&Müller (Katalog - Scheinwerfer - Ixon IQ) mit Ihrer IQ-Technik (gibt es auch bei uns zu kaufen).
      Und vergessen Sie nicht Reflektoren und Reflexfolien, diese sind in der dunklen Jahreszeit extrem wichtig!

  • Möglichkeiten des Kleidertransports:
    Kunststoffbox auf Gepäckträger, abnehmbar. Damit habe ich begonnen. Es war wasserdicht und praktisch. In der Firma angekommen, Schlüssel rein, Entriegelungstaste drücken, Box abnehmen, reinmarschieren. Allerdings, Sie brauchen einen Gepäckträger am Rad und der Schwerpunkt Ihres Rades wandert sehr lästig nach oben. Das waren die Gründe, weshalb ich auf wasserdichte Packtasche gewechselt habe. Die sind heutzutage auch sehr schnell abnehmbar und haben Griffe zum Abnehmen und Tragen. Ihr Rad geht damit wesentlich leichter in die Kurve. Hier bietet der Markt auch leichte Taschen an
    (VauDe), es müssen nicht die hochglänzenden und schweren Teile sein.
    Rucksack mit Regenhülle ist die Alternative für den, der keinen Gepäckträger am Rad will und der sein Rad maximal beweglich halten will. Auch hier bitte auf Gewicht achten und wenigstens 30 Liter Volumen. Rucksäcke für die Alpenüberquerung erfüllen diese Anforderungen
    (VauDe).
     
  • Ausstattung des Fahrers:
    Über Helm und Handschuhe diskutiere ich nicht, die sind einfach Pflicht.
    Radhosen brauchen Sie für die kältere Jahreszeit mit Windstopper im Vorderbereich (
    Löffler, VauDe).
    Radjacken sollten immer windstoppend und atmungsaktiv sein. Hier und auch bei den Hosen ist für kühlere Tage Softshell als Material angesagt. Und achten Sie auch auf reflektierende Elemente an Ihrer Kleidung, davon können Sie nie zuviel an sich haben! (
    Löffler, VauDe).
    Und für Ekel-Wetter noch Helmüberzug (
    VauDe), Ohrschützer (EarBags), Helm-Unterziehmütze und Regenüberschuhe (zusätzlich für den Winter wärmende Überschuhe, z.B. Eurotex von Chiba). Auch an warme Handschuhe für den Winter sollten Sie denken, wobei es da vorerst durchaus Skihandschuhe tun.

    Ein ganz (lebens-)wichtiges Thema ist die Wahl Ihres Weges zur Arbeit. Als Autofahrer kennen Sie meist nur sehr unzureichend die große Auswahl an landwirtschaftlichen Wegen und Waldwegen. Die lernen Sie jetzt aber kennen. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie 3 Monate brauchen, bis Sie den für Sie optimalen Weg gefunden haben. Sie können hierzu auch Wanderkarten oder gps-Geräte einsetzen. Oberstes Gebot: Autoverkehr meiden, wo es geht. Sie sind immer der Schwächere, und Radfahrer werden auf Hauptverkehrsstraßen sehr häufig übersehen, tempomäßig unterschätzt oder schlichtweg ignoriert. Nutzen Sie auch Wohngebiete statt Hauptverkehrsstraßen.
    Und wenn irgendwelche Feldwege für Stinker (Mofas) freigegeben sind, gehen Sie das und monieren das bei Ihrer Gemeinde. Es kann nicht sein, daß diejenigen, die etwas für ihre Gesundheit tun, sich durch die Abgase der "Faulen" Schaden antun (2-Takter-Abgase sind stark krebserregend!). Sie werden hierbei natürlich sehr schnell erfahren, was "Auto-Lobby" in unserem Land heißt. Einschalten der Presse hilft oft weiter. Wenn gar nichts geht, suchen Sie sich eben einen anderen Weg.

    Sie sehen, der Aufwand ist nicht groß, der Nutzen umso größer.

    Wirtschaftlich gesehen müssen Sie Ihre Fahrzeugkosten gegenrechnen, nicht nur den Sprit, sondern wirklich alles bis zu einem eventuell eingesparten Zweitwagen.

    Umweltmäßig erspare ich alleine in meinem Fall der Umwelt 1,5 Tonnen CO2 pro Jahr.

    Und was es gesundheitlich und psychisch bringt, habe ich ja erwähnt.

    Auch der ADFC widmet sich diesem Thema regelmäßig und intensiv. Wie "zur-Arbeit-Radler" ihr Tun sehen, welche gesundheitlichen und psychischen Positiveffekte sich einstellen und wie wenig die Betriebe sich für gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter engagieren, lesen Sie
    hier. Aber das stachelt uns doch nur noch mehr an - denn die Haupt-Nutznießer daraus sind wir selbst und unser nahes Umfeld.
     
  • Energiewende: Elektroräder ermöglichen den Weg zur Arbeit (Verzicht auf Zweitwagen) ohne zu schwitzen. Und wenn Sie sich jetzt, wie wir, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach setzen, können Sie das sogar mit selbst erzeugtem Sonnenstrom tun. Die Akkus unserer Elektroräder sind (ganz nebenbei erwähnt) mit eigenem Sonnenstrom aufgeladen.